Bewertung:
Der Titel ist bei diesem Buch Programm
- im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichsten Interviews mit Eltern,
welche gleich anschließend jeweils kurz kommentiert werden. Dabei
werden nicht nur Gespräche mit Eltern dokumentiert, die die Homosexualität
ihres Kindes positiv aufgenommen haben, sondern auch Negativ-Beispiele
angeführt. Das und die Art und Weise der Eltern vermitteln ein hohes
Maß an Authentizität und Direktheit.
Für Transgender ist das Buch
allerdings nur bedingt verwendbar. Ein Coming-out eines homosexuellen Kindes
ist nicht gleichzusetzen mit der Nachricht "Ich bin eigentlich eine Frau
(bzw Mann)", welche heutzutage weit mehr die Grundfesten der eigenen sozialen
Struktur erschüttert. Dennoch: die Fragen und (Selbst-)Vorwürfe
klingen in meinen transgender Ohren seltsam vertraut - die Bewältigungsstrategien
könnten in etwa die gleichen sein.
Insgesamt sind die Interviews kurzweilig
und gut zu lesen, ebenso die Kommentare, obwohl ich manchmal den Pfarrer
von der Kanzel zu hören dachte.
Da es bisher in deutscher Sprache
kaum ein vergleichbares Werk für die Eltern von Transgendern gibt,
würde ich zur Not auch dieses Buch empfehlen. Es kann Gedankenanstoss
sein, kann aber auch - und darauf möchte ich hinweisen - auch ein
Schuss nach hinten werden, da so manche Eltern vielleicht auf eine falsche
Fährte geführt werden könnten (nämlich die, dass sie
lieber eine lesbische Tochter als einen transsexuellen Sohn hätten). |