Bewertung:
Das Buch beginnt wundervoll mit
der Sicht eines kleinen Kindes auf die Welt: voller Geheimnisse, flatterhaft,
mit großen Augen alles bewundernd und mit eigenen Erfahrungswerten
erklärend. Bereits auf den ersten Seiten war ich mehr als positiv
eingenommen von dem Buch.
Patricia Duncker erzählt die
Lebensgeschichte eines kleinen Mädchens der oberen Mittelschicht Englands
im 19. Jahrhundert, dem als vorpubertärem und hochintelligentem Kind
die phantastische Möglichkeit geboten wird, als männliches Wesen
das Leben zu bestreiten. Die festgefügten und nicht in Frage gestellten
Geschlechtsrollen sind für viele Frauen unüberwindbar - nicht
für den neu geschaffenen schmächtigen Jungen James Miranda Barry,
der ein berühmter Militärarzt von Einfluss wird. Parallel zu
seiner Lebensgeschichte wird auch das Schicksal seiner Kindheitsfreundin
erzählt, die auf ihre Weise und mit der Wahrung ihrer weiblichen Identität
die ihr vorgegebene Rolle verläßt und Karriere als Schauspielerin
macht. Zum Ende ihres Lebens erfolgt die große Abrechnung in Form
eines Skandals, der um den Leichnam des berühmten Militärarztes
entstand.
Die Geschichte basiert auf den Eckdaten
des realen Dr. James Barry, jedoch weist Patricia Duncker im Nachwort ausdrücklich
darauf hin, dass Veränderungen zum Vorteil der Spannung vorgenommen
wurden. Es hat sich gelohnt, würde ich sagen: Ein spannender kurzweiliger
Roman, der nur an wenigen Stellen den selbst-lebenden Transmann ab und
zu sich fragen lässt, wie James Miranda Barry das in der damaligen
Zeit fertig brachte. Die Autorin gibt darauf keine Antwort, was aber dem
Inhalt keinen Abbruch tut.
Mein Tipp: unbedingt lesen - es
ist eine gute Lektüre, durch die man durchrutscht wie ein heißes
Messer durch Butter... |