| Bewertung:Ein Buch voller Abwechslung
und Anspruch - so könnte man den Inhalt auf den kleinsten gemeinsamen
Nenner bringen.
Allein das Vorwort steckt schon
voller Tücke für einen ungeübten und/oder mit Fachausdrücken
nicht bekannten Leser. Man muss dann schon öfter über einen Satz
lesen oder gar den Duden heranziehen.
Im ersten Teil des Buches geht
es entsprechend weiter: mehrere Fachautoren betrachten das Spiel der Geschlechterrollen
mit Blick auf die Medien, so z.B. in Talkshows oder im Film "Billy Roses
Jumbo" (mit Doris Day und einem Elefanten).
Doch die Anstrengung lohnt sich
- der Blick wird je nach Leser geschärft oder gar erst geöffnet
gegenüber den versteckten Mechanismen, welche uns tagtäglich
auf dem Fernsehbildschirm entgegen flimmern und uns so mehr als vermutet
beeinflussen. Dabei wird durchaus auch über den Tellerrand der westlichen
Welt geblickt: wer hätte gedacht, dass in Japan Kinder bereits beim
Erlernen des Wortes "ich" auf eine Differenzierung der Geschlechter stossen?(es
gibt nämlich 4 verschiedene Bezeichnungen)
Weiter geht es mit dem "Gender-Game",
welches dem Buch auch den Titel verlieh: ein Online-Spiel, entwickelt um
angewandte Forschung zu betreiben. Leider sind die abgedruckten Bildschirmkopien
zu klein, so dass man sich wünscht, diese wären nicht im Fließtext
untergebracht worden, sondern ganzseitig in einem eigenen Block. Entsprechend
auch die Lesbarkeit der Erklärungen: für eine Nicht-Computer-Menschen
(und dazu zähle ich mich auch, trotz täglichem Gebrauch) sind
die Texte schlichtweg unverständlich - entsprechend sinkt bereits
nach kurzer Zeit die Motivation erheblich, auf die nächste Seite weiter
zu blättern. Schade um den eigentlich interessanten Inhalt.
Im letzten Teil, einem kurzen Rundgang
durch die Kunstausstellung „go drag!" wird man mehr als entschädigt.
Das Spektrum reicht von Zeichnungen in Berliner Zeitungen anno 1927 über
Fotos und Filmmaterial aus der Mitte des 20. Jahrhunderts bis hin zu Bildausschnitten
aus dem Film „Venus Boyz", der erst dieses Jahr (2002) im Kino lief. Ebenso
breit ist das Spektrum der dargestellten Drags, mal deutlich spielend mit
den traditionellen Geschlechterrollen, mal wieder alles in Frage stellend
- eines aber auf jeden Fall: sehenswert!
Insgesamt halte ich das Buch für
sehr anspruchsvoll, speziell wenn es um die gar nicht mal so graue Theorie
geht. Helfend aufgelockert werden alle Texte durch genügende aber
nicht überhand nehmende Illustrationen. Sowohl durch das Thema als
auch durch dessen Präsentation entsteht der Eindruck, dass das „Gender
Game" ein zwar ernstes und tiefgehendes Spiel mit den Geschlechterrollen
ist, dieses Spiel jedoch zur Kunstform erhoben wird, sei es nun durch die
Technik des Film, der Fotoausstellung oder als Spiel im Internet. Sehr
schön, da hilfreich empfinde ich die ausführlichen Literaturangaben
nach jedem Artikel welche das „Tieferlesen" erleichtern - eine Notwendigkeit
bei wissenschaftlichen Arbeiten. |