Henrik aus München

 
 

Marion Strunk (Hrsg.): 

Gender Game

Marion Strunk (Hrsg.): Gender Game (Konkursbuch 39)
Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen, 2002
15,50 Euro
 
Bewertung:Ein Buch voller Abwechslung und Anspruch - so könnte man den Inhalt auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen. 

Allein das Vorwort steckt schon voller Tücke für einen ungeübten und/oder mit Fachausdrücken nicht bekannten Leser. Man muss dann schon öfter über einen Satz lesen oder gar den Duden heranziehen. 
Im ersten Teil des Buches geht es entsprechend weiter: mehrere Fachautoren betrachten das Spiel der Geschlechterrollen mit Blick auf die Medien, so z.B. in Talkshows oder im Film "Billy Roses Jumbo" (mit Doris Day und einem Elefanten). 
Doch die Anstrengung lohnt sich - der Blick wird je nach Leser geschärft oder gar erst geöffnet gegenüber den versteckten Mechanismen, welche uns tagtäglich auf dem Fernsehbildschirm entgegen flimmern und uns so mehr als vermutet beeinflussen. Dabei wird durchaus auch über den Tellerrand der westlichen Welt geblickt: wer hätte gedacht, dass in Japan Kinder bereits beim Erlernen des Wortes "ich" auf eine Differenzierung der Geschlechter stossen?(es gibt nämlich 4 verschiedene Bezeichnungen) 
Weiter geht es mit dem "Gender-Game", welches dem Buch auch den Titel verlieh: ein Online-Spiel, entwickelt um angewandte Forschung zu betreiben. Leider sind die abgedruckten Bildschirmkopien zu klein, so dass man sich wünscht, diese wären nicht im Fließtext untergebracht worden, sondern ganzseitig in einem eigenen Block. Entsprechend auch die Lesbarkeit der Erklärungen: für eine Nicht-Computer-Menschen (und dazu zähle ich mich auch, trotz täglichem Gebrauch) sind die Texte schlichtweg unverständlich - entsprechend sinkt bereits nach kurzer Zeit die Motivation erheblich, auf die nächste Seite weiter zu blättern. Schade um den eigentlich interessanten Inhalt. 
Im letzten Teil, einem kurzen Rundgang durch die Kunstausstellung „go drag!" wird man mehr als entschädigt. Das Spektrum reicht von Zeichnungen in Berliner Zeitungen anno 1927 über Fotos und Filmmaterial aus der Mitte des 20. Jahrhunderts bis hin zu Bildausschnitten aus dem Film „Venus Boyz", der erst dieses Jahr (2002) im Kino lief. Ebenso breit ist das Spektrum der dargestellten Drags, mal deutlich spielend mit den traditionellen Geschlechterrollen, mal wieder alles in Frage stellend - eines aber auf jeden Fall: sehenswert!

Insgesamt halte ich das Buch für sehr anspruchsvoll, speziell wenn es um die gar nicht mal so graue Theorie geht. Helfend aufgelockert werden alle Texte durch genügende aber nicht überhand nehmende Illustrationen. Sowohl durch das Thema als auch durch dessen Präsentation entsteht der Eindruck, dass das „Gender Game" ein zwar ernstes und tiefgehendes Spiel mit den Geschlechterrollen ist, dieses Spiel jedoch zur Kunstform erhoben wird, sei es nun durch die Technik des Film, der Fotoausstellung oder als Spiel im Internet. Sehr schön, da hilfreich empfinde ich die ausführlichen Literaturangaben nach jedem Artikel welche das „Tieferlesen" erleichtern - eine Notwendigkeit bei wissenschaftlichen Arbeiten.

 
Erhältlich bei: Buchhandlungen, Szenebuchhandlungen
 
 
 

Viel Spass beim Lesen!

 
 
Diese Seite wurde im September 2002 erstellt von Henrik