Henrik aus München

 
 

Felix Fink: 

Sein und Nichtsein - Erlebnisse eines Frau-zu-Mann-Transsexuellen

Felix Fink: Sein und Nichtsein - Erlebnisse eines Frau-zu-Mann-Transsexuellen;
Books On Demand GmbH, Norderstedt, 2001 
ISBN: 3-8311-2590-2
 
Bewertung:Felix Fink ist ein Transman wie du und ich - das ist für mich die Essenz aus der Lektüre der über 400 Seiten Autobiographie. 

Das Buch beginnt mit einer Situation, welche etliche von uns so ähnlich auch bereits durchmachten: wir wissen, dass wir trans sind, gefangen in unserem eigenen Körper, können aber nichts tun, da uns eine bestimmte Tatsache behindert. Unter der Last dieser Erkenntnis drohen wir zu zerbrechen. Doch dann kommt ein wichtiger Informationsfetzen hinzu, eine Lösung bahnt sich an - und das Leben geht endlich los!

Nach den ersten Seiten springt der Autor an den Beginn seiner chronologischen Autobiographie - wo er aufwuchs, unter welchen Umständen, ob er dabei glücklich war, was er erlebte. Die „glückliche, androgyne Kindheit" geht über in „die kastrierte Jugend", bis hin zu „der Kampf beginnt". Spätestens ab diesem dritten Kapitel findet sich jeder Transmann in Teilen wieder - zu bekannt sind die mit dem Umstieg einhergehenden Erlebnisse, Gefühle und Gedanken. Doch das heisst nicht, dass das Buch nur Bekanntes verkündet. Nein! Felix Fink schreibt in seiner verständlichen und lebendigen Art von sich selbst, und fesselt damit nicht nur Leser aus der Transgender-Community, sondern auch Interessierte, welche keinen direkten Bezug zu Transgender haben. 

Leider endet das Buch mit dem erfolgten Penoidaufbau - bis auf einen kleinen „Anhang", in welchem er beschreibt, wie er seine Frau fürs Leben gefunden hat. Das dürfte daran liegen, dass die letzte OP, ein Implantataustausch, erst 1999 erfolgte. Dennoch - der Penoidaufbau wurde bereits 1991 gemacht, die Korrekturen 1993 und 1997. Besonders für Leser, welche sich dafür interessieren, ob „es die Sache wert ist", ob man damit tatsächlich eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität erreicht, wie man mit den Problemen nach dem Umstieg (die es zweifelsfrei gibt) fertig wird, endet das Buch quasi auf dreiviertel der Strecke. Ein Teil der Fragen wird bereits durch der Tendenz der Entwicklung des Autors beantwortet - somit ist das Buch nicht nur für ein Publikum geeignet, welche keine oder nur wenig Ahnung vom Leben eines Transidenten haben. Ihnen fällt es wahrscheinlich nur etwas schwerer, dem Buch inhaltlich zu folgen, da ihnen der fachliche Background fehlt. 

Meine persönliche Meinung zu diesem Buch ist geteilt: Einerseits finde ich es gelungen, da ein stinknormaler Transmann beschrieben wird, welcher weder eine schwere Kindheit hatte noch von anderweitigen Interessen her einer Randgruppe zuzuordnen wäre. Auch sind die Informationen, welche völlig natürlich nebenher einfließen ausreichend für jemanden, der auf der Suche ist. (Zu meiner Freude wird auch der TransMann e.V. als Anlaufstelle erwähnt.) Das Buch ist leicht lesbar, lebendig geschrieben und in seinen Ausmaßen noch zumutbar. 
Andererseits bedauere ich eben diese Abruptheit, mit der das Buch endet - gerne hätte ich noch ein wenig mehr vom „Leben danach" erfahren. 
In der Gesamtheit überwiegt der positive Eindruck von „Sein und Nichtsein" bei weitem - meiner Meinung nach ein empfehlenswertes zeitgenössisches Buch!

 
Erhältlich bei: Buchhandlungen, Szenebuchhandlungen, Bücherseite des TransMann e.V.
 
 
 

Viel Spass beim Lesen!

 
 
Diese Seite wurde im September 2002 erstellt von Henrik