| Bewertung:Felix Fink ist ein Transman
wie du und ich - das ist für mich die Essenz aus der Lektüre
der über 400 Seiten Autobiographie.
Das Buch beginnt mit einer Situation,
welche etliche von uns so ähnlich auch bereits durchmachten: wir wissen,
dass wir trans sind, gefangen in unserem eigenen Körper, können
aber nichts tun, da uns eine bestimmte Tatsache behindert. Unter der Last
dieser Erkenntnis drohen wir zu zerbrechen. Doch dann kommt ein wichtiger
Informationsfetzen hinzu, eine Lösung bahnt sich an - und das Leben
geht endlich los!
Nach den ersten Seiten springt der
Autor an den Beginn seiner chronologischen Autobiographie - wo er aufwuchs,
unter welchen Umständen, ob er dabei glücklich war, was er erlebte.
Die „glückliche, androgyne Kindheit" geht über in „die kastrierte
Jugend", bis hin zu „der Kampf beginnt". Spätestens ab diesem dritten
Kapitel findet sich jeder Transmann in Teilen wieder - zu bekannt sind
die mit dem Umstieg einhergehenden Erlebnisse, Gefühle und Gedanken.
Doch das heisst nicht, dass das Buch nur Bekanntes verkündet. Nein!
Felix Fink schreibt in seiner verständlichen und lebendigen Art von
sich selbst, und fesselt damit nicht nur Leser aus der Transgender-Community,
sondern auch Interessierte, welche keinen direkten Bezug zu Transgender
haben.
Leider endet das Buch mit dem erfolgten
Penoidaufbau - bis auf einen kleinen „Anhang", in welchem er beschreibt,
wie er seine Frau fürs Leben gefunden hat. Das dürfte daran liegen,
dass die letzte OP, ein Implantataustausch, erst 1999 erfolgte. Dennoch
- der Penoidaufbau wurde bereits 1991 gemacht, die Korrekturen 1993 und
1997. Besonders für Leser, welche sich dafür interessieren, ob
„es die Sache wert ist", ob man damit tatsächlich eine erhebliche
Steigerung der Lebensqualität erreicht, wie man mit den Problemen
nach dem Umstieg (die es zweifelsfrei gibt) fertig wird, endet das Buch
quasi auf dreiviertel der Strecke. Ein Teil der Fragen wird bereits durch
der Tendenz der Entwicklung des Autors beantwortet - somit ist das Buch
nicht nur für ein Publikum geeignet, welche keine oder nur wenig Ahnung
vom Leben eines Transidenten haben. Ihnen fällt es wahrscheinlich
nur etwas schwerer, dem Buch inhaltlich zu folgen, da ihnen der fachliche
Background fehlt.
Meine persönliche Meinung zu
diesem Buch ist geteilt: Einerseits finde ich es gelungen, da ein stinknormaler
Transmann beschrieben wird, welcher weder eine schwere Kindheit hatte noch
von anderweitigen Interessen her einer Randgruppe zuzuordnen wäre.
Auch sind die Informationen, welche völlig natürlich nebenher
einfließen ausreichend für jemanden, der auf der Suche ist.
(Zu meiner Freude wird auch der TransMann e.V. als Anlaufstelle erwähnt.)
Das Buch ist leicht lesbar, lebendig geschrieben und in seinen Ausmaßen
noch zumutbar.
Andererseits bedauere ich eben
diese Abruptheit, mit der das Buch endet - gerne hätte ich noch ein
wenig mehr vom „Leben danach" erfahren.
In der Gesamtheit überwiegt
der positive Eindruck von „Sein und Nichtsein" bei weitem - meiner Meinung
nach ein empfehlenswertes zeitgenössisches Buch! |