Henrik aus München

 
 

Bridge Markland: 

Portraits 1984 - 2000

Bridge Markland: Portraits 1984 - 2000, konkursbuch Verlage, Tübingen, 2000; 96 Seiten, 15,50 Euro
 
Bewertung:
Bridge Markland ist eine aussergewöhnliche Person - und ebenso ist das Buch, das sie porträtiert. Mehrere Fotografen, unter ihnen auch Uwe Hesse aus Berlin oder Maje Waldo aus New York, bringen dem Betrachter diese Persönlichkeit in all ihrer Farbigkeit und Vielfältigkeit näher. Mal blickt einem Bridge Markland nackt knieend von einem Schwarz-Weiß-Foto ernst entgegen, dann wieder mimt sie eine rothaarige Femme in grünem Kleid, mal verzieht sie ihr kontrastreich geschminktes Gesicht zu einer Fratze, dann wieder klebt sie sich einen Bart an oder zieht sich gentleman-like einen Nadelstreifenanzug an. Die Gegensätze könnten nicht größer sein und doch ist es jedes Mal ein Porträt von Bridge Markland. 

Bridge Markland ist ein lebendes Kunstwerk, das steht fest. Mit diesem Fotoband werden vor allem die Personen dargestellt, die sie selbst auf die Bühne bringt: Kunstpersonen, künstliche Personen, die in ihrer Überzogenheit plakativ wirken, und doch Vertrautes beinhalten - persönliche Kunst. Wer kennt nicht die staubsaugende Hausfrau oder den Geschäftsmann im Anzug? Bridge spielt mit den Rollen, auch mit den Geschlechtsrollen, den Klischees, den vorgefassten Bildern - und hält sie einem wie einen Spiegel vor. 

Ich persönlich konnte zu Anfang mit diesem Fotoband nichts anfangen - seit mehr als einem Jahr habe ich immer wieder in der Buchhandlung dieses Buch in den Händen gehalten und dann doch wieder weggelegt. Nun habe ich es mir gekauft, mich darin vertieft - und es nicht bereut. Kein zu langer Text, sondern nur eine kurze Einleitung und am Ende eine knappe Biographie, jeweils in Deutsch, Englisch und Französisch - und dazwischen eine Menge vielsagender Fotografien, die im Endeffekt keiner Erklärung bedürfen. Schwere Kost, die immer und immer wieder Neues zu Tage fördert. Ich bin mir sicher, dass auch in zwei Jahren noch das eine oder andere Bild mir neue Erkenntnisse bringt. 

Eine Porträtierung soll dem Betrachter die Person näher bringen, erklären, wer sie ist, was sie tut. Doch Bridge Markland ist nicht zu fassen, zu wenig weiss man, ob das Foto nun sie selbst oder eine ihrer Rollen darstellt. Oder stellt sie mich als Betrachter dar? - Die Antwort fällt schwer - doch muss man das beantworten? Ist Bridge Markland nicht einfach ein genialer Drag King? 

 
Erhältlich bei: Buchhandlungen, Szenebuchhandlungen, Bücherseite des TransMann e.V.
 
 
 

Viel Spass beim Lesen!

 
 
Diese Seite wurde im September 2002 erstellt von Henrik