| Christine Fehér:
body - Leben im falschen Körper, Patmos Verlag GmbH & Co. KG,
Sauerländer Verlag, Düsseldorf, 2003; 12,90 Euro, 182 Seiten,
ISBN 3-7941-7017-2 |
Bewertung:
Ein Jugendbuch, welches sich auf
einfühlsame Weise mit dem Coming-Out eines jungen Transmanns befasst
- so meine Erwartung an das Buch. Und sie wurde mehr als bestätigt!
Wir erleben zusammen mit Ulli, einem
fünfzehnjährigen Transmann aus Berlin, die Höhen und Tiefen,
vor allem aber seinen inneren Kampf bei seinem Coming-Out. Dabei wird auf
genau das eingegangen, was zu Anfang tatsächlich am meisten beschäftigt:
die seelische Zerrissenheit, der Konflikt zwischen dem eigenen inneren
Empfinden und der Erwartungshaltung der Umwelt, den Konflikt zwischen Selbsterhaltung
bzw. Selbstfindung und Selbstaufgabe zugunsten eines Klischeebildes, das
erfüllt werden soll.
Schade finde ich, dass trotz der
guten Darstellung der seelischen Seite, mal wieder tief in die Kiste der
Einheits-Klischees von Transmännern gegriffen wird: er steht selbstverständlich
auf Frauen, ist selbstverständlich ein Aussenseiter in seiner Klasse,
hasst selbstverständlich seinen Körper, weiss selbstverständlich
schon seit frühester Kindheit dass er ein Junge sein möchte,
spielte selbstverständlich nur mit Jungen und hatte für seine
weiblichen Spielsachen selbstverständlich überhaupt nichts übrig.
Zum Glück hat das Buch rechtzeitig aufgehört, sonst wäre
ganz selbstverständlich noch dazu gekommen, dass er auch alle möglichen
Operationen durchführen hat lassen...
An die vielen Transmänner,
welche nicht in dieses Klischee passen, daher mein großer Tipp: nehmt
nicht alles so ganz genau - es gibt auch Transmänner, die schwul empfinden,
beliebt sind, auch ganz gerne sich weiblichen Spielen/Tätigkeiten
zugewandt haben und/oder erst später im Leben dahinter gekommen sind,
dass sie Transmänner sind. Und logisch: man muss auch nicht den gesamten
Weg gehen.
Mein Resümee: Trotzdem es sich
leider in Klischees erschöpft, ist das Buch dennoch gut geschrieben
- besser jedenfalls als so manches andere Buch - und in meinen Augen durchaus
ein altersgemässes. Also rein in die Buchläden! |