Henrik's Transgender-Seite

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Vor der ersten Spritze

Tja, der Stand der Dinge, vor den Spritzen... Wo soll ich bloss anfangen? Keine Ahnung. Also werde ich einfach mal drauflos erzählen!
Auf meiner ID-Karte steht, dass ich 163 cm gross bin. Glaube ich mittlerweile zwar nicht mehr so, denn damals, als das gemessen wurde, war ich 15. Ich bin nicht mehr allzuviel gewachsen, aber ein paar Zentimeter mehr dürften es schon sein. Ich darf nicht vergessen, das noch nachzumessen!
Gesundheitlich geht es mir im Prinzip nicht übel. Ich bin übergewichtig (ja ja, ich sollte was tun...), aber bis jetzt hat es keine wirklich bedrohlichen Auswirkungen. Ich komme noch allein die Treppe hoch, will ich damit sagen. In den letzten Jahren war ich selten krank, höchstens mal ein kleiner Schnupfen zwischendrin, aber nichts Ernsthaftes.
Ernährungsmässig bin ich meiner Meinung nach ausgewogen bis zu süss. Bei Stress oder wenn's mir seelisch schlecht geht, dann stopfe ich Schokolade nur so in mich rein. Wohl einer der Gründe, warum ich Übergewicht habe.
Ein anderer Grund ist wahrscheinlich Genetik und falsche Erziehung. Wenn ich mir so meine Mutter und meinen Vater ansehe, dann gehen beide allein schon vom Körperbau her mehr in die stabile Richtung. Bayerischer Bauernstand, oder so... Zartgliedrige Elfen konnte man halt nicht zur Feldarbeit brauchen. Entsprechend sehen schon von Kindheit an z.B. meine Handgelenke aus: ziemlich breit, kräftig. Und dann die falsche Esskultur - was auf den Tisch kommt, wird gegessen, und erst recht das, was man im Teller hat.
Was nicht so toll ist, und das schon seit ich 11 oder 12 bin: jedesmal, wenn ich die Menstruation bekomme, habe ich Schmerzen, dass ich die Wände hochgehen könnte. Anfangs hatte ich immer das Gefühl, einer sägt mich mit einer grossen Säge mittendurch. Dann wurde mir laufend schwarz vor den Augen. So ab etwa 20 dann lokalisierten sich die Schmerzen immer mehr konkret auf die Unterleibsgegend.
So mit 12/13 Jahren ging meine Mutter mit mir dann mal zum Frauenarzt, der mir aber nur leichte Zäpfchen verschrieb. Blöd, dass ich ausgerechnet Zäpfchen überhaupt nicht ausstehen kann und wenn ich doch mal eines drin hatte, dann war es nach einer Viertelstunde gleich wieder draussen. Also komplette Fehlanzeige.
Ein paar Jahre behalf ich mir mit Unmengen von Aspirin. Wenn keines da war, war's halt Mist. Ich dachte dann, ich verrecke vor dem Medizinschränkchen. Meine Mutter kam dann auch noch mit so blöden Hausmittelchen daher wie irgendsoein rotes Öl, das sie mir auf den Bauch träufelte. Bähhhh! Das einzige, was ein wenig Linderung verschaffte, war Wärme - die Heizdecke aus Kindertagen wurde wieder ausgegraben. Mit 14 oder 15, weiss nicht mehr genau, nochmal ein Gang zum Frauenarzt. Er meinte nur, dass ich das gefälligst auszuhalten hätte. Blödkopf.
Als ich 20 war, nach dem Abitur, fing ich eine Gärtnerlehre an. Dort auch wieder jeden Monat das gleiche Spielchen. Die grosse körperliche Anstrengung hat mir aber auch manchmal geholfen. Dazu ging ich mal wieder zum Arzt - diesmal zu meinem Hausarzt, der einfach cool drauf war und mit dem man gut reden konnte. Er verschrieb mir endlich Tabletten (Ibuprofen), die tatsächlich wirkten. Die schächer dosierten Ibuprofen-Tabletten kann man ja in jeder Apotheke kaufen.
Die Zukunft war also ein wenig schmerzfreier. Doch jeden Monat 4-5 Tabletten schlucken ist auch nicht so spassig. Vor allem, wenn ich jedesmal von irgendwelchen Leuten gesagt bekam, dass ich nicht zu viele nehmen soll, sonst werde ich süchtig... Ha ha ha. Wenn die solche Schmerzen hätten, dann würden die Pillen auch nur so in den Rachen hüpfen. Trotzdem: ich fühlte mich nicht wohl, hätte jedesmal, wenn ich wieder wusste, dass ich diesen Mist bekam, mich einfach in die Ecke stellen können und heulen. PMS? Keine Ahnung. Ich konnte meinen weiblichen Körper jedenfalls nicht ausstehen.
Die Brüste waren (und sind im Moment immer noch) auch so ein Problem: in der fünften Klasse war ich eine(r) der ersten, wo Brüste zu sehen waren. Mistige Wabbeldinger! BH hatte ich lange Zeit keinen, denn ich wollte einfach nicht wie ein Gaul im Geschirr hängen. Hüah! Brrr...!
Mit Körbchengrösse C fällt es mir auch nicht leicht, die Teile irgendwie zu verstecken. Als Teenager habe ich möglichst weite Pullis angezogen, runde Schultern - sieht ja cool aus. Aber schon im Sport dieses Rumgehüpfe hat mich wahnsinnig gemacht. Können die nicht mal Sportarten machen, wo die Dinger nicht so ziehen?
Zur Zeit muss ich beim Abbinden immer Kompromisse eingehen: entweder die Brüste sind noch eindeutig auszumachen und ich habe Platz zum mich bewegen und vor allem atmen - oder aber es ist einigermassen (aber nicht eindeutig) flach und ich krieche hechelnd durch die Gegend. An entspannt Sitzen oder die Arme über den Kopf heben ist da aber nicht zu denken. Bin ich froh, wenn die Brust-OP vorbei ist! Das ist mit das Dringenste, was ich brauche!
Ja, was gibt es sonst noch zu sagen? Ach ja, Libido! Ich gucke gerne Pornos, lese noch lieber erotische/pornographische Stories. Ich habe einen Lebensgefährten, mit dem ich anfangs zweimal die Woche Sex hatte (aber keine hohen Extasen; eher wurde die generelle Lust nach Nähe befriedigt). Dann hat es sich aber schnell zu einmal im Monat ergeben - im Austausch zu meinen über alles geliebten zärtlichen Massagen. Da schmelze ich dahin...
Parallel dazu befriedige ich mich selbst - manchmal über einige Tage gar nicht, dann wieder 5 mal am Tag. Je nach Lust und Laune und seelischem Gleichgewicht. Einige Zeit bildete ich mir ein, dass ich vor der Menstruation mehr Lust hätte;, aber kaum hatte ich das gedacht, wurde es auch schon wieder durch genau das Gegenteil entkräftet. Scheint wohl nicht im Zusammenhang zu stehen.
So, jetzt denke ich, kann sich jeder ein Bild vom Status vor dem Testo machen, oder?

Diese Seite wurde im März 2001 erstellt von Henrik