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29. Januar 2002

Mitte Dezember hat mir mein Operateur endlich einen OP-Termin mitgeteilt - wurde aber auch Zeit! Ich war schon reichlich nervös und sehr frustriert. Hatten sich nicht schon die Gutachter zu viel Zeit gelassen? Musste der Operateur nun auch noch in diese Kerbe schlagen?
Sobald ich den Termin für die Brust-OP hatte, wollte ich sicherstellen, dass die Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke) ja nicht vergessen wurde und rief in der Frauenklinik an. Insgeheim hatte ich die Hoffnung, die Hysto sogar noch eine Woche vor der Brust-OP machen zu lassen. Ich persönlich hätte es als praktischer empfunden, da ich mir einen rascheren Wiedereintritt im Job ausrechnete.
In der Frauenklinik jedoch wurde ich erstmal von Pontius zu Pilatus verbunden, keiner wusste so recht Bescheid, da aufgrund einer Grippewelle etwa die Hälfte der Belegschaft fehlte. Einer der Ärzte wusste dann doch, dass Dr. Müller alles organisieren musste, da ich ja zur Genesung weiterhin auf seiner Station liegen werde. Ich versuchte also wieder einmal, Dr. Müller zu erreichen - wie ich fast schon befürchtet hatte, klappte es auch dieses Mal nicht. Ich liess jedoch die wirklich sehr nette Dame am Telefon ausrichten/einen Zettel ins Fach von Dr. Müller legen als Erinnerung. Bis heute habe ich keine Rückmeldung erhalten. Wie ich jedoch von einem anderen TM (anderer Operateur, anderes Krankenhaus, andere Stadt) erfuhr, ist das üblich. Ich vertraue mal darauf, dass es nicht vergessen wird...
Auf dem Brief, mit dem ich den Termin zur Brust-OP mitgeteilt bekam, waren zur OP-Vorbereitung einige Untersuchungen angekreuzt. Die Ergebnisse, welche nicht älter als 10 Tage sein durften, sollte ich bei der Aufnahme im Rechts der Isar vorlegen. Ich ging zu meinem Hausarzt Dr. Bernhardt und fragte ihn, ob er diese Untersuchungen machen könne. Natürlich - bis auf die Lungenaufnahme, welche in einer benachbarten Röntgenpraxis erstellt würde. Er schrieb mir dann auch gleich den Überweisungsschein.
Knapp eine Woche vor der OP liess ich die Röntgenaufname machen - eine zum Teil unangenehme Sache, da hierzu der Oberkörper entblößt werden muss. Ich zog mich also obenrum aus, sollte allen Schmuck entfernen (ich trage aber keinen...) und dann wurden zwei Aufnahmen gemacht.
Für die erste musste ich mich mit dem Rücken zum Röntgengerät bzw. mit der Vorderseite zur Wand an ein Brett stellen. Das Kinn sollte oben in die Einkerbung am Brett. Die Höhe des Brettes wurde eingestellt, dann sollte ich die Arme so weit nach vorne anlegen, dass die Schultern das Brett berührten. Die beiden Arzthelferinnen riefen ein "Nicht bewegen! Und tiieeef einatmen! Und halten!" - was ich auch tat. Ein Summen vom Röntgenapparat, ein "Und Weiteratmen" von den beiden freundlichen Helferinnen.
Zweite Aufnahme, diesmal von seitlich. Die Arme mussten nach oben gestreckt werden, etwa in einem Winkel von 45 Grad. Links am Brett den gesamten Körper anlegen. Wieder das bereits bekannte (und offensichtlich standard-mässige) "Nicht bewegen! Und tiieeef einatmen! Und Halten!", wieder das Summen, als die Arzthelferinnen im Nebenraum den Auslöser drücken, und danach durfte ich abermals weiteratmen. 
Dann bin ich entlassen und kann mich wieder anziehen, danach werde ich auf den Flur gesetzt. Ein Weisskittel eilt vorbei - einer der Röntgenärzte? Kurz darauf ruft er mich in den Raum, in welchen er gerade eben gegangen war. "Welche Operation ist das, die durchgeführt werden soll?" - Oh Schreck, was sage ich jetzt? Ich halte es so allgemein wie möglich:  "Die Brust soll entfernt werden." Damit ist er anscheinend zufrieden. Ich soll im Wartezimmer am anderen Ende des Flurs warten. Nach gut einer Dreiviertelstunde werde ich gerufen - hektisch packt eine der Arzthelferinnen zwei blauschwarze Röntgenaufnahmen in einen grossen Umschlag, dazu ein Blatt Papier, aussen noch zwei Etiketten drauf, drückt mir alles mit einem Lächeln in die Hand und verabschiedet mich. Hm... das wars wohl...
Bereits im Treppenhaus untersuche ich den Umschlag genauer: Einmal der Name meines Hausarztes, einmal mein Name incl. Geburtsdatum und dem heutigen Datum.
Zuhause dann reisse ich den Umschlag auf, hole mir das Diagnoseschreiben heraus. Zum Glück keinerlei Auffälligkeiten. Wieder eine kleine Hürde genommen!
Lustig ist der Nebenbefund des Röntgenarztes: "ausgeprägte Mammahyperplasie" - offensichtlich hatte er mich für einen Mann gehalten, der unglücklicherweise unter Brustwachstum zu leiden hatte. Ich hielt beide Röntgenaufnahmen vor die weisse Wand - tatsächlich: auf beiden Aufnahmen waren die Umrisse der Brust zu sehen...
Gestern, also drei Tage vor der OP, war ich beim Hausarzt für die anderen Untersuchungen: es sollte ein sog. "kleines Blutbild" erstellt werden, ebenso der Gerinnungsstatus, die Serumwerte und ein EKG. Für die Blutuntersuchungen nahm mir Dr. Bernhardt mehrere Ampullen Blut ab. Ich bat ihn, auch noch das Testosteron testen zu lassen - immerhin hatte ich seit Anfang Dezember kein Testosteron mehr bekommen.
Für das EKG bat er mich in den Nebenraum. Ich sollte meinen Oberkörper freimachen und mich dann auf die Liege begeben. Huh... schon wieder oben ohne... aber dieses Problem würde ich nicht mehr lange haben!
Dann schliesst er mich an das EKG an - je ein Kontakt an den beiden Unterschenkeln und an den Unterarmen, und dann noch mehrere auf dem Brustkorb. Dann soll ich ganz ruhig liegen bleiben. Ich entspanne mich, schaue in der Gegend rum, bewege mich aber nicht. Nach zwei Minuten ist es vorbei - Dr. Bernhardt ist zufrieden: alles schön gleichmässig. Ja, er fragt mich sogar noch, ob ich Ausdauertraining machen würde - mein Herzschlag wäre sehr langsam, etwa wie der eines Sportlers. Ich grinse. Nein, ausser in der Frühe ab und an der Tram hinterherhetzen und in der Arbeit mal Treppen steigen, betätige ich mich nicht sportlich. Insgeheim denke ich jedoch an meine täglichen Einschlaf-Orgasmen - vielleicht sind die für mein durchtrainiertes Herz verantwortlich?
Heute nachmittag war ich nochmal bei Dr. Bernhardt - ich holte die Ergebnisse der Blutuntersuchung ab. Keine Ahnung, ob die in Ordnung sind - ich konnte nicht mehr mit ihm sprechen. Hoffentlich passt alles - mit etwas bangem Gefühl denke ich an meinen Hämatokrit-Wert, der im Herbst so aus der Reihe getanzt war. 
Morgen werde ich im Klinikum Rechts der Isar antreten - zum ersten Mal seit meiner Geburt werde ich als Patient in einem Krankenhaus sein! Dennoch bin ich (noch) nicht nervös. 

Diese Seite wurde im Januar 2001 erstellt von Henrik