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15.Oktober
2000

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Jetzt
ist es ein halbes Jahr her, dass ich unter Testo stehe - Zeit für
einen Rückblick! |
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Mein
Gewicht habe ich zwar nicht verringern können, aber es ist zum Glück
auch nicht mehr geworden. Schuld daran ist weniger Testo als eher mein
Phlegma, mich sportlich in irgendeiner Weise zu betätigen. Seit meine
Körperbehaarung zugenommen hat und die Stimme eindeutig männlich
ist, habe ich auch die Sorge, dass ich in einem Sportverein oder Fitness-Studio
spätestens im Umkleideraum erheblich anecke. Für die Damen-Umkleide
bin ich einfach schon zu männlich, für die Herren-Umkleide noch
zu weiblich. Leider scheint es in meinem Umfeld niemand zu kapieren - an
allen Ecken nur Unverständnis. Und der Vorschlag, dass ich mich doch
zu Hause duschen könnte, hilft auch nicht viel. Ich bin nunmal so,
dass ich nicht verschwitzt in der U-Bahn fahren will und dass ich nicht
mit Trainingsanzug auf der Strasse laufen will. |
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Kopfhaare
sind immer noch da, Körperhaare nehmen zu. An den Armen und am Bauch
scheint es die Grenze langsam erreicht zu haben - seit August konnte ich
keinen Zuwachs mehr feststellen. Auf der Brust hat sich noch reichlich
was getan - überall schön verteilt lange dunkle Haare. Noch weich,
nicht drahtig. Würde mich so nicht stören, nur mit dem Power-Hemdchen
drüber kitzeln die Haare zwischen den Brüsten. Ich könnte
mich manchmal minutenlang kratzen. Letztes Wochenende war ich dermassen
genervt, dass ich zum Rasierer griff und zumindest die störenden Haare
zwischendrin wegrasierte. Optisch fiel noch nichts auf - ist noch nicht
dicht genug. |
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Vom
Körperbau/Fettverteilung her fällt mir auf, dass meine alten
(Damen-)Jeans in der Taille zu eng werden, am Oberschenkel aber zu weit.
Herrenhosen passen dagegen fast schon perfekt - ein wenig eng noch am Oberschenkel
und natürlich zu lang. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass ich "gerader"
geworden bin. |
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Vor
1 1/2 Wochen habe ich angefangen, Vollzeit in einem Büro zu arbeiten.
Ich kam über eine Zeitarbeit-Firma dorthin. Lediglich meine Disponentin
bei der Zeitarbeit weiss, dass ich trans bin, im Büro weiss es niemand.
Ich fing ganz normal als "Herr Haas" an. Da keiner blöd guckte, bisher
auch keine seltsamen Reaktionen kamen und die männlichen Kollegen
mich genauso behandeln wie ihresgleichen, nehme ich an, dass ich durchgehen.
Ich habe aber ständig Angst, dass ich doch noch enttarnt werde. Leider
ist nämlich die Brust gar nicht geschrumpft. |
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Die
Stimme hat sich auch auf einem Niveau eingependelt, schwankt nicht mehr.
Jetzt muss ich mich erst noch daran gewöhnen. Wenn ich mich auf dem
Anrufbeantworter höre, erkenne ich mich noch nicht. Lediglich der
Text kommt mir bekannt vor... :-) |
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Ich
habe den Eindruck, dass ich aggressiver geworden bin. Sowohl im positiven,
als auch im negativen Sinn. Einerseits traue ich mich, auf Leute zu zugehen,
meine Meinung zu sagen, zu fordern, zu verlangen. Andererseits reagiere
ich manchmal auch über, bin gereizt, schnell frustriert, will mit
dem Kopf durch die Wand. Es liegt aber meines Erachtens nicht direkt am
Testo - da kann ich mittlerweile keine Schwankungen feststellen - sondern
eher an der jeweiligen Tagesform, was so mit mir und um mich herum passiert. |
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Mein
Bedürfnis nach Zuneigung und Zärtlichkeit hat sich nicht geändert.
Ich bin immer noch genauso sensibel wie vorher. Durch meine intensive Beschäftigung
mit mir selbst und der teilweisen Lösung von Problemen habe ich mich
aber oft besser im Griff. Oft, aber nicht immer. Manchmal reicht ein Gedanke,
damit Tränen in meinen Augenwinkeln blitzen. |
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In
letzter Zeit bin ich ein wenig niedergeschlagen - trotz des Erfolgs im
Beruf. Oder gerade auch deswegen? Ich habe nur einen befristeten Vertrag
bekommen - die Entfristung hängt davon ab, ob es im Büro gut
läuft, ob die Leute gut auf mich reagieren, oder ob es Probleme wegen
trans geben wird. Sollte ich weiter beschäftigt werden, so wird noch
bis Ende Februar Probezeit sein. Ich kann also meine OPs wohl erst im März
angehen - ein halbes Jahr Verzögerung! Und dabei wollte ich doch zu
Weihnachten diesen Jahres zumindest oben rum ein Mann sein... |
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Die
unfreiwillige Wartezeit hat aber auch ein Gutes: ich bin mir immer noch
nicht sicher, was ich in Bezug auf Penoid machen soll: Aufbau, Klitorispenoid,
alles lassen? Ich bin mir von Woche zu Woche unschlüssiger, schwanke
hin und her. Ich werde mich noch eine ganze Weile damit eingehend beschäftigen
müssen. |
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